
Brise-Soleil-Ratgeber: So reduzieren Sie den Solarwärmeeintrag auf Hochfassaden.
Erfahren Sie, was Brise-Soleil-Systeme sind, wie sie Solarwärmeeintrag reduzieren, Fassadenbelüftung unterstützen und zu LEED- und BREEAM-Zertifizierung beitragen.
Ein Brise-Soleil (wörtlich „Sonnenbremse" auf Französisch) ist ein fixes oder verstellbares System aus Aluminium-Lamellen, Screens oder Blenden, das an der Fassade eines Gebäudes befestigt ist, um Sonnenstrahlung zu kontrollieren und unerwünschten Wärmeeintrag zu reduzieren. Dieser Ratgeber erklärt, wie sie funktionieren und wann man sie spezifizieren sollte.
Was ist ein Brise-Soleil?
Ein Brise-Soleil ist ein architektonisches Element — entweder fest (permanent angewinkelt) oder bewegbar (verstellbar durch Motorisierung oder manuelle Steuerung) —, das direktes Sonnenlicht abfängt, bevor es Fenster oder Gebäudeflächen erreicht.
Die häufigsten Designs sind: - Fest angewinkelte Lamellen: Aluminium-Lamellen in permanentem Winkel (typisch 30–60°), die hochstehende Sommersonne blockieren, während sie tiefere Wintersonne durchlassen. - Verschiebbar Brise-Soleil: Motorisierte horizontale oder vertikale Tafeln, die sich während des Tages der Sonnenposition anpassen. - Klappbare Brise-Soleil: Artikulierte Tafeln, die sich je nach saisonaler Sonneneinstrahlung ausfahren/einfahren. - Perforierte Metallbildschirme: Fest wirkende Fassaden, die Aussichten und Belüftung ermöglichen, während sie direktes Strahlung blockieren.
Warum Solarwärmeeintrag wichtig ist
In Gewerbe- und Wohngebäuden macht unkontrollierte Sonnenstrahlung 20–40% der sommerlichen Kühllasten aus. Selbst mit hochperformanten Dreifachverglasungen bleibt der Wärmeeintrag durch Glas erheblich.
Ein gut entworfenes Brise-Soleil kann die Sonnenstrahlung, die eine Fassade erreicht, um 60–85% reduzieren, was sich in folgendem ausdrückt: - Niedrigere Kühlkosten: 15–25% Reduktion der sommerlichen Klimatisierungslast. - Bessere Innenraumkomfort: Reduzierte Blendung und Wärmeinkonsistenz an Arbeitsplätzen. - Längere HVAC-Lebensdauer: Kleinere Spitzenlasten bedeuten weniger Belastung für Kühlgeräte.
Wie Brise-Soleil-Systeme funktionieren
Blockierung des Sonnenwinkels: Der Lamellenwinkel wird auf Basis des Gebäudebreitengrads und der Ausrichtung berechnet. In Nordeuropa (50–55°N) benötigen südausgerichtete Fassaden steilere Winkel (40–50°), um Sommersonne zu blockieren, ohne die Wintersonne ganz zu blockieren.
Fassadenbelüftung: Anders als feste Fassaden ermöglichen Brise-Soleil-Systeme Luftzirkulation hinter den Lamellen. Heiße Luft, die zwischen den äußeren Lamellen und dem Glas eingeschlossen ist, wird abgelüftet, was Wärmestau verhindert. Dieses „belüftete Fassaden"-Prinzip ist für die DIN 18516-Konformität von entscheidender Bedeutung.
Licht und Privatsphäre: Perforierte oder halbopake Lamellen zerstreuen Tageslicht in den Raum, während sie externe Einsicht verhindern. Insassen sehen weiches, blendungsfreies Licht; Außenstehende sehen eine einheitliche Fassade.
Strukturelle Integration: Brise-Soleil werden typischerweise am Tragwerk, unabhängig vom Fenstersystem, montiert. Dies ermöglicht einfache Nachrüstung auf bestehende Gebäude.
Standardtypen
Fest Lamellen - **Vorteile:** Keine beweglichen Teile, wartungsfrei, niedrigste Kosten. - **Nachteile:** Kann sich nicht an Änderungen des saisonalen Sonnenwinkels anpassen; kann zu viel Wintersonne oder zu wenig Sommersonne blockieren, wenn schlecht ausgelegt. - **Best für:** Südausgerichtete Fassaden auf stabilen Breitengraden, wo ein Winkel ganzjährig funktioniert.
Verschiebbar horizontales Brise-Soleil - **Vorteile:** Motorisierte Anpassung ermöglicht saisonale und tägliche Optimierung. Ästhetischer Reiz — saubere Linien, wenn eingezogen. - **Nachteile:** Mechanische Komplexität, höhere Kosten (€500–€1.500 pro m²), Motorwartung. - **Best für:** Hochhäuser, wo Insassenkomfort und Energieeinsparungen den Kostaufwand rechtfertigen.
Klappbares Brise-Soleil - **Vorteile:** Raumsparend — faltet sich gegen die Fassade, wenn nicht benötigt. Zu mehreren Winkeln verstellbar. - **Nachteile:** Mechanische Verbindungen anfällig für Klemmen in rauem Klima; erfordert regelmäßige Wartung. - **Best für:** Sekundäre Fassaden oder schattige Bereiche, wo teilweiser Schatten ausreichend ist.
Technische Standards
DIN 18516 (Belüftete Fassaden): Diese deutsche Norm definiert, wie belüftete Fassadensysteme strukturell und thermisch funktionieren müssen. Brise-Soleil müssen: - Windlasten per EN 1991-1-4 (Eurocode 1) widerstehen. - Ausreichende Entwässerung und Belüftung bieten (Mindeststau 2cm zwischen Lamelle und Fassade). - Thermische Bewegung ohne Spannungsübertragung auf den Fensterrahmen unterstützen.
LEED / BREEAM-Punkte: - EAc2 (Energieeffizienz): Brise-Soleil tragen zu reduzierten Kühllasten bei und verdienen 1–3 Punkte. - IEQc8 (Tageslicht & Aussichten): Brise-Soleil, die Außenaussicht beibehalten und Tageslicht zerstreuen, verdienen Punkte.
Entwurfsüberlegungen
Ausrichtung: - Südausgerichtet: Benötigt steile Lamellenwinkel (40–60°) für Blockierung der Sommersonne; ermöglicht Wintersonne durchzulassen. - Ost/Westausgerichtet: Anspruchsvoller — niedrige Sonnenwinkel in frühem Morgen/spätem Nachmittag. Benötigt oft zusätzlich vertikale Blenden zu horizontalen Lamellen. - Nordausgerichtet: Benötigt selten Brise-Soleil, wenn nicht der Breitengrad des Gebäudes oder lokale Reflexion eine bedeutende Auswirkung ist.
Materialhal tbarkeit: - Stranggepresstes Aluminium: Am häufigsten. Leicht, korrosionsbeständig mit QUALICOAT Klasse 2 Beschichtung (15+ Jahre Dauerhaftigkeit). - Edelstahl: Für Küstenumgebungen. Höhere Kosten, überlegene Dauerhaftigkeit. - Holz mit Schutzoberfläche: Traditionelle Ästhetik; erfordert 2–3-jährigen Refinish-Zyklus.
Wartungszugang: - Fest Lamellen: Zugang für gelegentliche Reinigung (Wasser + weiches Tuch). - Motorisierte Systeme: Erfordern jährliche Motorprüfung und Schmierung. Steuerelektronik benötigt Feuchtigkeitsschutz.
Energieeffizienz (Fc-Wert)
Der Fc-Wert (Solarfaktor) eines Brise-Soleil reicht von 0,10–0,50 abhängig von Lamellendichte und Winkel: - Fc 0,10–0,20: Dichte Lamellen, minimale Sonnendurchlässigkeit — passend für südausgerichtete Fassaden in warmen Klimaten. - Fc 0,30–0,40: Mittlere Dichte — balanciert Sonnenschutz mit Tageslichtzufuhr. - Fc 0,40–0,50: Spärliche Lamellen — maximale Tageslichtzufuhr, weniger Sonnenschutz.
Architekten kombinieren oft Brise-Soleil mit hochperformanten Gläsern (U-Wert 0,15 W/m²K oder niedriger), um insgesamt Fassaden-Fc-Werte von 0,25–0,35 zu erreichen.
Kosten und ROI
Fest Lamellen: €300–€800 pro m² (einmalige Kosten). Motorisierte Gleitsysteme: €600–€1.500 pro m². Klappsysteme: €400–€1.200 pro m².
Für eine 500 m² südausgerichtete Fassade: - Fest Lamellen: €150.000–€400.000 Capex. Jährliche Wartung: ~€1.000. Energieeinsparungen: 15–20% der jährlichen Kühlkosten (~€8.000–€12.000 für ein typisches Bürogebäude). - ROI: 12–20 Jahre in warmen Klimaten.
Fazit
Brise-Soleil-Systeme sind einer der wirksamsten Wege, um den Solarwärmeeintrag auf Gewerbe- und Hochhausfassaden zu reduzieren. Durch Kombination von struktureller Dauerhaftigkeit, minimaler Wartung und erheblichen Energieeinsparungen rechtfertigen sie ihre Anlaufkosten auf den meisten europäischen Märkten.
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